Arbeitnehmerbindung, ja. Aber was fehlt, sind durchdachte Konzepte.

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olderDer Mittelstand merkt zunehmend die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Gute Leute waren immer schwer zu finden, mittlerweile ist es für viele fast unmöglich. Auch fähige Auszubildende werden seltener. Was sind Lösungen?

Einige Unternehmen haben erste Lösungsansätze entwickelt, mit entsprechenden Maßnahmen ihre Mitarbeiter besser zu binden. Denn das wird unheimlich wichtig. Aber es fehlt oft an stimmigen und durchdachten Konzepten.

Arbeitnehmerbindung. Das deutsche Problem.

Es gibt einige Länder in Europa, die mit einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben. Aber auch die Jüngeren haben im südlichen Europa zur Zeit wenig Perspektiven. Dazu kommt die Problematik unflexibler Arbeitsmärkte und veralteter Bildungskonzepte. Eine verschleppte Migrationspolitik führt ebenfalls zu teilweise unüberwindbaren Problemen. Was sich besonders in England, Frankreich und Italien zeigt. Auch Holland spürt das Aufbegehren der Einwanderer deutlich. Zu viele haben keinen oder einen schlechten Job. Deutschland hat ähnliche Probleme. Bei uns bewirkt die demographische Delle seit den geburtenstarken Jahrgängen eine bedrohliche Verknappung gut ausgebildeter junger Menschen. Die Arbeitgeber stehen vor dem Scherbenhaufen nachlässiger Familienpolitik vergangener Jahrzehnte. Und nach wie vor ist niemand wirklich gewillt, ausländischen Fachkräften den Zugang zur Arbeit zu erleichtern. Nicht wenige Unternehmer schütteln angesichts dieses Stillstands verständnislos den Kopf. Auch Sozialforscher sehen hier aufkeimende gesellschaftliche Verwerfungen kommen.

Jung, unwillig, schlecht ausgebildet. Oder mit Kindern.

Betrachten wir die Gruppe derer, die arbeiten dürfen. Es gibt wenige junge Menschen, die in Deutschland jedes Jahr dem Arbeitsmarkt neu zur Verfügung stehen. Und diese sind allzu oft keine große Hilfe, da sie ihre Ausbildung nicht ernst genug genommen haben. Es gibt aber leider auch eine große Menge an jungen Menschen, die zu Unrecht als schlecht qualifiziert gelten und nur schwer einen Job finden. Und das, obwohl sie arbeiten wollen. Wer einmal die Stellenausschreibungen für durchschnittliche Posten ansieht, spürt die Verzweiflung der Personalabteilungen. Zu oft lagen wohl Mappen mit kreativen Rechtsschreibfehlern auf dem Tisch, oder die Kandidaten überzeugten im Gespräch durch Vieles, nur eben nicht durch notwendige Fähigkeiten. Doch ob diese neue Art üppiger Anforderungsprofile bei der Qualifizierung  von Bewerbern zielführend ist, wage ich zu bezweifeln.

Und dann sind da noch die jungen Eltern. Die Generation derer, die für den Generationenvertrag ordentlich was leisten müssen. Das wissen alle. Und trotzdem mangelt es vielen Unternehmen nach wie vor an flexiblen Konzepten, um junge Mütter oder Väter die Möglichkeit zu geben, Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren. Es sieht so aus als bleibe nur, sich um die wenigen Frischlinge zu schlagen oder erfahrene Fachkräfte von anderen Unternehmen abzuwerben. Ein verkrustetes System, das sich lange überholt hat. Man fragt sich, was ist eigentlich mit den ganzen Älteren, die arbeitssuchend sind? Sind diese nun aufgrund der Lage wieder vermehrt gefragt? Wenn man dem Bundesministerium für Arbeit Glauben schenken darf, steigt die Quote seit 5 Jahren deutlich. So berichtete auch der Fokus. Also doch alles nicht so schlimm?

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Und die älteren Arbeitnehmer.

Kaum ein Unternehmen wird mittelfristig auf die erfahrenen Älteren verzichten können. Und auch auf die ausländischen Fachkräfte werden wir wohl in Zukunft vermehrt setzen müssen, wenn man die Wirtschaftskraft erhalten will. Laut einer Studie der Universität Münster aus dem letzten Jahr, sind ältere Arbeitnehmer nicht nur erfahrener, sie sind häufig sehr viel motivierter. Dazu seien sie stressresistenter und behalten auch in unübersichtlichen Situationen einen kühlen Kopf. Davon können die Jüngeren im Betrieb oft sehr viel lernen. Auch das nutzen bereits große Unternehmen und etablieren Systeme zur Zusammenarbeit von jungen und alten Berufsgruppen. „Reverse Monitoring“ nennt sich das. Wie nachhaltig das funktioniert, wird sich noch zeigen. Wer gibt schon gerne sein Wissen freiwillig her und dann noch an Jüngere, potentielle Konkurrenten? Es stellt sich die Frage, wie man mit diesen sich verändernden Bedindungen am Besten umgeht, ohne eine Gruppe dabei vor den Kopf zu stoßen. Fakt ist, dass nach bisherigen Maßstäben zu wenige passende Arbeitnehmer bereitstehen. Oder doch nicht?

Lösungen für den Notstand am Arbeitsmarkt. Kommunikation wird wichtiger.

Es gibt genug arbeitsfähige und auch arbeitswillige Menschen in Deutschland. Das sieht, wer Arbeitssuchende aus seinem Bekanntenkreis kennt. Unternehmen müssen sich anpassen. Dabei vermehrt auf die älteren Arbeitnehmer zu setzen, ist durchaus eine vernünftige Lösung. Aber auch diese muss man erstmal erreichen und sie halten. Was uns oft auffällt, ist dass nur wenige Unternehmer den Wert von innovativen Kommunikationskonzepten kennen. Diese helfen nicht nur bei der Suche nach guten Kräften, sondern auch dabei, dass man sie vielleicht garnicht suchen muss. Wer gerne irgendwo arbeitet, geht auch nur ungerne weg. Es ist damit eindeutig, dass heute Unternehmen um ihre Mitarbeiter ganz anders werben müssen. Und das eben nicht nur zur Mitarbeitergewinnung, sondern auch zur Mitarbeiterbindung! Die Regeln ändern sich. Der Arbeitsmarkt ist nicht homogen und die Arbeitswelt hat sich verändert. Mit althergebrachten Systemen wird man nicht weiter punkten können. Insbesondere bei der Bindung von Mitarbeitern zeigt sich ein deutliches Umdenken. Gerade große Konzerne bemühen sich zusehends darum, dass ihre Mitarbeiter nicht abwandern. Die attraktiven Angebote reichen von einfachen Gehaltserhöhungen bis zu umfassender Absicherung, Heimarbeit und vielfältigen Freizeitangeboten.

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Aber im Gegensatz zu KMU ist man sich dort dem Wert pädagogischer Kommunikation zwar bewusst, kann sie aber aufgrund der Größe schlechter umsetzen. Hier liegt die Chance für kleine und mittelständische Unternehmen. Denn Geld ist für viele Arbeitnehmer nicht alles. Ganz und garnicht. Arbeitnehmerbindung geht anders. Zufriedenheit zählt und die entsteht auch aus anderen Quellen. Zum Beispiel durch wertschätzende Kommunikation und ein menschliches Miteinander oder auch gute Perspektiven, sowie flexiblem Umgang mit Eltern. Kurze Wege in den kleineren Betrieben erleichtern die Anwendung solch motivierender und identifizierender Kommunikations- und Arbeitskonzepte. Der Mittelstand ist nun gefragt, diesen Vorteil entsprechend zu nutzen.

 

Autor: O. Marquardt
Bilder: Pixabay.com

O. Marquardt

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Er arbeitete als Texter in renommierten Werbeagenturen, bevor er sich als Marketing- und Kommunikationsberater für Großunternehmen selbstständig machte. Mittlerweile ist er gefragter Berater für Markenentwicklung im Mittelstand und Autor vieler Fachartikel. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für wertebasierte Markenentwicklung in Marburg. Zum Kundenkreis zählen klassische, mittelständische Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. Privat interessiert er sich für philosophische Fragen rund um Gesellschaft und Kommunikation, spielt Golf, produziert Musik und kocht gerne.

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