Der digitale Tresor deutscher Unternehmer ist ein offenes Geheimnis.

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Bild: Das CarnaBotnet in Europa

Eigentlich ist die IT-Sicherheit etwas, das bei Unternehmern ganz oben stehen sollte. Die technischen Möglichkeiten, eine Firma um ihr Know-how zu erleichtern, sind so vielfältig wie noch nie. Trotzdem ist bei vielen Unternehmern die unverschlüsselte Festplatte auf einem Rechner mit veraltetem Betriebssystem der Standard. Natürlich in einem Netzwerk, das seit seiner Installation keine Updates mehr gesehen hat, geschweige denn die der evtl. angeschlossenen Maschinen. Der wirtschaftliche Schaden durch Industriespionage beträgt 50 Milliarden Euro, so die DIHK in einem Bericht im April diesen Jahres. Denn diese Summe beinhaltet nicht nur Markenkleidung.

Von der günstigen Rolex, bis zum Kampfjet. Die Piratenindustrie rüstet auf.

Jeder kennt den schicken Markenturnschuh, oder die Designerklamotten vom Basar aus dem Urlaub. Und auch kopierte „Lowtech“ Produkte, wie günstige Haushaltsgeräte, kennt man. Dieser Markt wird seit Jahren immer professioneller und qualitativ besser. Aber die Gefahr für deutsche Unternehmen liegt ganz woanders. Nämlich im Datenklau von Firmenwissen aus dem Maschinenbausektor. Immer häufiger werden hochwertige Maschinenteile oder sogar ganze Maschinen kopiert und unter einem anderen Namen verkauft. Beunruhigend dabei ist, dass die Qualität hier immer besser wird und nicht mehr nur 1:1 kopiert wird. Innovative Betriebe rund um den Globus, vor allem aber in den asiatischen Ländern kopieren nicht mehr, sondern sie optimieren. Jeder kennt das Prinzip von Herrn Jobs, der öffentlich keinen Hehl daraus machte, dass viele seiner Produkte ihren Ursprung bei einem Konkurrenzunternehmen haben. Im Grunde ist das auch durchaus eine adäquate Methode, die nicht nur dem herstellenden Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft dient. Auch wissenschaftlich haben „Copycats“ einen wesentlich besseren Ruf, als man denken mag. Nun, es macht aber durchaus einen Unterschied, ob man sich inspierieren lässt und selbst etwas neues entwickelt, oder ob man CAD-Zeichnungen eines mittelständischen Betriebs in Deutschland kopiert und daraus dann etwas geringfügig Neues entwickelt. Letzteres ist sehr gefährlich. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch komplexe Waffensysteme kopiert werden.

Immer häufiger werden Maschinenteile, Werkzeuge, Maschinen oder komplexe Hightech-Produkte kopiert

Es steht in diesem Zusammenhang offiziell nicht fest, ob „Cyberspionage“ in einigen Ländern staatlich gefördert oder sogar organisiert ist. Fest steht allerdings, dass China sich zur Hochburg virtueller Datendiebstähle entwickelt hat und in den westlichen Industrienationen häufig in Firmenrechner eindringt. Als Beispiel, wie einfach und umfassend das sein kann, sei hier das „Carna Botnet“ genannt. Es war angeblich nur ein „best practice“ Hobbyprojekt, verfügte innerhalb weniger Wochen über 420.000 gekaperte Rechner, die meisten in Europa und den USA. Die Konsequenz davon ist, dass viele Unternehmen ihre Alleinstellungsmerkmale verlieren und damit auch die Legitimation für ihre Marktanteile. Und das geht schneller, als einige denken. Es gibt wenige Branchen, die nicht betroffen sind. Wissen ist gerade in den lebenswichtigen Bereichen wie Landwirtschaft, Maschinenbau, Hightech, und Sicherheitstechnik beliebt, aber auch Waffensysteme waren schon immer im Ziel von Datensammlern. Gerade vor einigen Wochen titelte der Spiegel, dass die Anteile für deutsche Exporteure nach China rasant wegbrächen. Sie machen vieles inzwischen einfach selbst. Ein unschönes Phänomen, das auch in Schwellenländern zu beobachten ist. In vielen lukrativen Märkten, seien vor allem die Chinesen jetzt besser aufgestellt. Die Anbieter aus dem Reich der Mitte bieten ähnliche Qualität wie etablierte deutsche Marken und sind dabei um ein vielfaches günstiger. Die Industrie in diesen Ländern kauft daher lieber chinesisch. So ist der Markt.

Nun wird nicht alles daran liegen, dass Wissen für solche Produkte vom eigenen Firmenrechner abtransportiert wird. Aber es ist ein entscheidender Punkt, wenn es um die so wichtigen Alleinstellungsmerkmale und Markenarbeit geht. Wie will ein traditioneller deutscher Maschinenteile-Hersteller noch eine Preispolitik mit Qualität rechtfertigen, wenn seine Produkte für weniger als die Hälfte auf dem Markt zu haben sind.

Sicherheit durch integrierte Lösungen. Mit guten Marketingstrategien und IT-Sicherheitsstandards gewinnen.

Die gesamte Markenarbeit eines Unternehmens kann nur wirkungsvoll funktionieren, wenn IT-Sicherheit und die Unternehmensstrategie dem Marketing dienen. Das gesamte strategische Konzept muss dahingehend optimiert sein, eine gewinnbringende Mischung aus Produktinnovation, Knowledge-Management, Datenschutz, diversifizierter, internationaler Ausrichtung und modernen Kommunikationskonzepten zu entwickeln. Kurz gesagt, ein Unternehmen braucht innovatives Wissen, muss es schützen und seine Produkte maßgeschneidert an den Mann bringen – und das eben nicht nur in China.

 

 

O. Marquardt

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Er arbeitete als Texter in renommierten Werbeagenturen, bevor er sich als Marketing- und Kommunikationsberater für Großunternehmen selbstständig machte. Mittlerweile ist er gefragter Berater für Markenentwicklung im Mittelstand und Autor vieler Fachartikel. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für wertebasierte Markenentwicklung in Marburg. Zum Kundenkreis zählen klassische, mittelständische Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. Privat interessiert er sich für philosophische Fragen rund um Gesellschaft und Kommunikation, spielt Golf, produziert Musik und kocht gerne.

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