Markenführung: Wettbewerbsvorteile durch Werte und Verantwortung

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Wer sein Unternehmen auf festgeschriebenen Werten aufbaut und Verantwortung im marktwirtschaftlichen Alltag zeigt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Zugegeben, eine gewagte These. Dies entspricht vermutlich nicht der gängigen Meinung von moderner Marken- und Unternehmensführung. Oder wie sonst soll man es sich erklären, dass (leider) noch die wenigsten Betriebe mit Konsequenz und Nachdruck hinter nachhaltigen, ökologisch sinnvollen Produktions- und Führungsleitlinien stehen? Wir zumindest haben keine einfache Antwort auf diese Frage. Der Anlass zum heutigen Artikel kommt allerdings aus einer anderen Ecke: Vor 150 Jahren wurde Max Weber geboren. Bis heute verkörpert der Ökonom und Soziologe ein wichtiges Erbe. Sein Einfluss auf die moderne Marktwirtschaft ist dabei unbestritten. Vielen dient er, trotz mancher dunkler Flecke, noch immer als Vorbild. Anlässlich seines Geburtstags haben wir uns nun die Frage gestellt: Was können Mittelständler und Unternehmer von Webers Schaffen in Sachen Verantwortungsbewusstsein und Realismus lernen?

Der Wert als Wettbewerbsvorteil #mqco

Politiker und Unternehmer bedienen sich gern dem ein oder anderen tiefsinnigen Aphorismus Webers und zitieren ihn besonders in Situationen, in denen sie ein Gesicht von Anstand und Verantwortung für die Gesellschaft wahren wollen. Das mag man als aufmerksamer und kritischer Hörer dann glauben oder nicht. Fakt ist: Weber ist aktuell. Gestern wie heute. Wer den Eindruck erwecken möchte, nicht von Eigennutz und nacktem Machtstreben geleitet zu sein, verweist auf Max Webers als Ideengeber. Beispielsweise wird häufig der berühmte Ausspruch angeführt: „Die Kultur des Marktes muss ebenso eine Kultur des Maßes sein“. Politik etwa bedürfe Augenmaß und Leidenschaft. Da kommt es nicht von ungefähr, dass politische Schwergewichte wie Franz Müntefering oder Helmut Schmidt Webers Worte bedächtig auf den Lippen führen: „Ein Politiker soll für seine Sache brennen, er soll aber nicht an ihr verbrennen“. In diesem Beitrag soll es jetzt aber nicht um Zitate, vor allem nicht um politische Zitate gehen. Webers Erbe umfasst bei Weitem mehr als weise Aphorismen. Weber hinterließ ebenso eine Haltung. Diese Haltung paart Realismus mit Verantwortungsbewusstsein und versucht, Unternehmern ein auf Werte und Gewissenhaftigkeit basierende Betriebsführung zu eröffnen. Webers Bild des eifrigen, selbstlosen Kapitalisten, welches er 1904 in der Schrift „Protestantischen Ethik“ entwirft, ist noch heute ein, vielleicht das Rollenmodell für pflichtschuldiges Unternehmertum. In Anlehnung dessen nennt etwa der Schuhfabrikant Heinrich Deichmann Webers Idealtypus gern als Vorbild.

Leistung als Selbstantrieb

Für Weber stellte der Beruf etwas Sinngebendes, das Leben Bestimmendes dar. Dieses Denken ist es, was die moderne Leistungsgesellschaft antreibt und unaufhörlich befeuert. Firmen, die in stetigem Wettbewerb mit Konkurrenten stehen und gewinnorientiert am Markt aktiv sind, haben dies natürlich erkannt. Was also können sie von Webers Geist lernen? Er war der Ansicht, dass Unternehmer mit Werten einen Wettbewerbsvorteil haben. Seine These, Bescheidenheit mache erfolgreich, mag mancherorts als moralischer Imperativ daherkommen, doch im Kern umschreibt er damit ein ehernes makroökonomisches Prinzip: So hat derjenige, der seinen Gewinn nicht für den Konsum verprasst, kurz- und langfristig mehr Geld zum Investieren und Expandieren – und wird damit auf lange Sicht mehr Erfolg haben.

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Verantwortlich handeln – oder reicht die bloße Absicht?

Ebenso bekannt ist Webers Frage danach geworden, ob ein Handeln bereits dann gut ist, wenn die Absicht eine gute ist. Oder kommt es nicht vielmehr darauf an, welche Folgen eine Handlung hat? Weber unterscheidet hier klar zwischen einer Verantwortungs- und einer Gesinnungsethik. Jene Frage stellte er 1919 vor Münchner Studenten. Die Beantwortung war für ihn klar: Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“. „Verantwortlich fühlt sich der Gesinnungsethiker nur dafür, dass die Flamme der reinen Gesinnung nicht erlischt“, so seine Ansicht. Wenn die Folgen des eigenen Tuns übel seien, dann mache der Gesinnungsethiker die Dummheit der anderen oder aber den Willen Gottes dafür verantwortlich. Der Verantwortungsbewusste dagegen wüsste um die „durchschnittlichen Defekte der Menschen“. Bis heute ist Gesinnungsethiker ein Schimpfwort geblieben. Mittelständler und Unternehmensführer sollten anhand dieser Worte erkennen, worauf sich die unternehmerischen Strebungen vordergründig verstehen sollten, um dem Stigma des Gesinnungsethikers zu entkommen und sich einen überdauernden, vertrauensbildenden Ruf als verantwortlich und nachhaltig zu erarbeiten. Spinnt man den Gedanken Webers weiter, reicht es nicht aus, sich äußerlich vor Medien und Gesellschaft als ökologisch einwandfrei darzustellen, in Wahrheit jedoch die eigenen wirtschaftlichen Absichten auf reine Gewinnmaximierung und den nackten Erfolg auszurichten.

Kurzum: Weber vertraute als einer der führenden Köpfe darauf, dass sich unternehmerischer Erfolg wie kaum etwas anderes aus ehrlichen Absichten speist. In dieser Tradition wollen auch wir Geschäftsführern und Mittelständlern eine gewissenhafte Ausrichtung von Produktion und Dienstleistung nahelegen – und stehen damit in Tradition einer modernen Markenführung. Im Gedränge um Macht und Marktanteile ist es bedeutend, die Bedürfnisse und Wünsche von Gesellschaft und Kunden richtig zu erkennen und ihnen nachzukommen. Undurchsichtige Akteure mit zweifelhaften Prinzipien gibt es dabei genug. Wir möchten gerade KMU dazu ermutigen, den Ideen Max Webers mehr als bloß einen prüfenden Blick zuzuwerfen und wollen dazu anregen, die Chancen zu erkennen, welche sich aus einer ökologisch einwandfreien, sozialen Unternehmens- und Markenführung ergeben. Werte schaffen Wettbewerbsvorteile – wenn man sie lässt.

Autor: M. Fett & O. Marquardt

Quelle: handelsblatt.com

 

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Marquardt+Compagnie ist ein ganzheitlich denkender Markenentwickler mit Marketingkompetenz aus 10 Jahren Kommunikationsarbeit. Bei uns im Blog finden Sie verschiedene Artikel zu den Themen Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung.

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