Schädliche Risikobereitschaft: Ein kritischer Blick zur Teamarbeit

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personal-109967_640Teamarbeit ist mittlerweile zum festen Bestandteil jeder gut konzipierten Firmenstruktur geworden. Kaum jemand wird das noch ernsthaft in Frage stellen, wenn man an einer modernen und vor allem effektiven Unternehmensführung interessiert ist. Und genau weil die Arbeit im Kollektiv von solch großer Bedeutung für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen ist,  ist man als Unternehmer gut beraten, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Unlängst konnte gezeigt werden, dass das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Meinungen und Ideen die Bereitschaft erhöht, unkalkulierbare Risiken einzugehen und unvorsichtige Entscheidungen zu treffen. Dieses Phänomen wird sozialpsychologisch als „risk-shift“ (engl. für „Risikoschub“) bezeichnet und beschreibt eine wiederkehrende Beobachtung: Gruppen entscheiden im Allgemeinen risikofreudiger als Einzelpersonen. Sollen hier innovative, neue Ideen entstehen, sollte ein Teamchef also auch um die kritische Punkte der Teamarbeit bescheid wissen.

Eigendynamik in Kleingruppen: Segen oder Fluch?

Eine Frage, die sich zunächst aufdrängt, wird sicherlich sein: Holt man sich den Wolf im Schafspelz, wenn man seinen Mitarbeitern gemeinschaftlich an einem Projekt arbeiten lässt? Eventuell sogar ohne Kontrolle von „außen“? Ganz so schwarz stellt es sich zwar nicht dar. Aber als Führungskraft sollte man sich der Eigendynamik einer Gruppe bewusst werden. Um tatsächlich von der Effizienz und den Vorteilen einer Gruppenarbeit zu profitieren, ist es also wichtig, auch entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

Gruppen entscheiden oftmals unter großen Druck

team-123085_640Denken wir uns zunächst ein einfaches Beispiel. Wir nehmen an, einer Gruppe aus 6 Mitarbeitern einer Firma XY wird die Aufgabe zugeteilt, in zwei Wochen ein spezielles Produkt genau nach den Wünschen und Vorstellungen eines langjährigen Kunden anzufertigen. Die Situation gestaltet sich wie folgt: Unsere 6 Personen treffen am ersten Tag in einem kleinen Raum zusammen, eng aneinander gedrängt und mit der Deadline des Fertigungstermins im Nacken. Allein äußerlichen Faktoren wie Zeitdruck und  mangelnde körperliche Distanz zu den Mitmenschen stellt für viele Angestellten bereits einen unangenehmen und hinderlichen Einfluss dar. Nachdem ein Teamleiter bestimmt wurde, geht es sogleich an die Arbeit. Im weiteren Verlauf werden erste Ideen vorgetragen und diskutiert. Dabei können Pole entstehen, also gegensätzliche Standpunkte, die häufig konträre Ziele und Erwartungen schaffen. Ist die Atmosphäre ohnehin angespannt, bedeutet das nur zusätzlichen Sprengstoff für unsere Gruppe. Innerhalb dieser gereizten Stimmung entwickelt sich etwas, was in der Sozialpsychologie als „Gruppenpolarisation“ verstanden wird. Eine Sonderform dieser Polarisation ist das zu Beginn genannte „Risk-shift“, also jene Tendenz, in Gruppendiskussionen extremere Ergebnisse zu erzielen, als es die einzelnen Positionen der Mitglieder erwarten ließen. Doch weshalb ist das so?

Wie Gruppendenken optimale Entscheidungen behindern

Zurück zu unserem Beispiel. Nehmen wir an, das Team hat sich aufgrund gegensätzlicher Meinungen (Pole) in zwei Teilgruppen zu je 3 Personen gespaltet. Dies kann insbesondere bei unerfahrenen und jungen Mitarbeitern der Fall sein. Die beiden Teilgruppen vertreten hartnäckig ihre unterschiedlichen Auffassung über die Gestaltung des Produkts. Dabei immer im Hinterkopf: Der Abgabetermin. Die Präsentation vor dem Kunden rückt in großen Schritten näher, doch ein Einlenken ist nicht in Sicht. In verschiedenen sozialpsychologischen Experimenten wurde entdeckt, dass in Gruppendiskussion eine Reihe von Argumenten erzeugt wird, bei denen die meisten Mitglieder diejenige Position unterstützen, die ihr eigenes Team vertritt. Das heißt in unserem Falle: Kein Abweichen von der Meinung der eignen Teilgruppe. Entgegengesetzte Argumente (jene der anderen Gruppe) führen nicht etwa zu befriedigenden Kompromissen, sondern zur Verhärtung der Standpunkte. Da man sich im Sinne des Kunden schließlich doch irgendwie einigen muss, kommt es letztlich zum Prozess der gegenseitigen Überredung. Wenn das Streben nach Konsens allerdings den Entscheidungsprozess derart dominiert, entsteht das „Gruppendenken“ (engl. „Groupthink“). Hierbei werden unterschiedliche Argumentationen nicht mehr rational von den Parteien abgewogen. Das Team unseres Beispiels puscht sich so gegenseitig immer weiter hoch. In einer angespannten Umgebung aus kritischen Einflussfaktoren (naher Abgabetermin, stickige Luft, Überarbeitung und Müdigkeit …) macht es sich damit in extremen Maße anfällig für Illusionen bzgl. der eigenen Stärke. personal-115858_640Es bedient sich zusehends der Selbstzensur und übt vermehrt Druck auf Abweichler aus, die alternative Ideen hervorbringen wollen. Neue Informationen werden dabei entweder gar nicht oder nur unzureichend in bestehende Konzepte aufgenommen; alte Informationen einseitig betrachtet, Fehler, Konsequenzen und Risiken schlechter eingeschätzt. Was am Ende resultiert, kann sich jeder selbst ausmalen. Aber ob das im Sinne des anspruchsvollen Kunden sein wird?

Die Lösung heißt Aufklärung

Am Anfang schrieben wir, eine Gruppenarbeit muss sich nicht als Wolf im Schafspelz erweisen. Dass man als Unternehmer tatsächlich keine Angst haben muss, seinem Personal bestimmte Aspekte einer Arbeit oder ganze Projekte gemeinschaftlich aufzutragen, möchten wir noch kurz erläutern. Der erste und vielleicht schwierigste Schritt ist es, überhaupt ein Bewusstsein für die beschriebenen Besonderheiten zu wecken. Sind diese Risiken einem Firmenchef bekannt, kann er mit ein paar Regeln und Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass auch wirklich im Sinne von Unternehmen und Kunde getüftelt wird. Klärt man seine Belegschaft über mögliche gruppeninterne Risiken auf, sucht fortlaufend den Kontakt zum Team und bewacht in geregeltem Maße dessen Schaffen, wird allzu risikofreudigen Ideen schon einmal die Luft genommen. Schafft man jetzt noch zusätzlich ein weitestgehend produktives Arbeitsumfeld mit möglichst geringen Störeinflüssen (Frischluftzufuhr, geregelte Pausen, helle Räume), ist der Weg zu einem beiderseits zufriedenstellenden Ergebnis geebnet.

Autor: M.Fett & O. Marquardt

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Marquardt+Compagnie ist ein ganzheitlich denkender Markenentwickler mit Marketingkompetenz aus 10 Jahren Kommunikationsarbeit. Bei uns im Blog finden Sie verschiedene Artikel zu den Themen Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung.

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