„Survival of the Geilest“. Ist Contentmarketing noch aktuell?

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Contentmarketing_VerbreitungDas Netz verschmilzt von einer Option zu einer Grundfunktion, die unser reales Leben bestimmt. Immer mehr Menschen interagieren regelmäßig mit ihm und leiten aus dem Netz Entscheidungen für ihr eigenes Leben ab. Wer hier interessant ist, gewinnt im Spiel „survival of the geilest“.

Im Internet stellen sich jeden Tag Milliarden von Menschen täglich die Frage, was interessiert mich und die anderen wirklich? Medien und Werbung schaffen es schon lange nicht mehr, dem Anspruch vernetzter Konsumenten gerecht zu werden. Die Invasion bunter Hüllen, leerer Phrasen und zusammengeflickten, oberflächlichen Inhalten schreckt ab. Der mündige und gut vernetzte Leser ist weder durch Penetration, noch alleine durch große Sichtbarkeit zu überzeugen. Ganz im Gegenteil, er ist genervt. Denn Werbung ist mittlerweile überall. Sie belastet. Sie gibt nichts. Sie nimmt nur.

Bild: find-das-bild.de/Michael Schnell

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Deshalb kommt jetzt der Inhalt ins Spiel. Hey, mit Inhalt gewinne ich Kunden. Ist ja geil! Ein einfaches Tauschgeschäft, das seit je her funktioniert. So einfach ist das. Goldgräberstimmung durch Contentmarketing. Schon rollt die nächste Trendlawine los. Alle brauchen geilen Inhalt. Das Resultat: Contentmarketing ist genauso totgehyped wie Native Advertising oder Socialmedia-Marketing. Inflationär degradierte Begriffe wie das „Buzzword“ selbst. Im Zuge dieser Trendwelle verschmutzen mittlerweile Unmengen an redaktionellem Verpackungsmüll unseren digitalen Lebensraum.

Doch: Der Ansatz über Inhalte zu gehen ist richtig und wichtig!

Es braucht drei Dinge für gute Ergebnisse im Onlinemarketing. Eine gute Mannschaft, einen Trainer mit System und Wissen.

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Her mit den Inhalten, los gehts?

Kommen wir erst zur Mannschaft, die uns den Pott holen soll. Nicht jedes Traditionsunternehmen muß es so machen wie der HSV und viel Geld für wenig Leistung ausgeben. Ein großes Budget für mein Socialmedia-Marketing, wozu ein eigenes Blog und die Präsenz in sozialen Netzwerken gehören, macht nicht gleich den Erfolg. Was bei meinen Spielern zählt, sind Technik und Überblick für die richtigen Pässe zur richtigen Zeit. Es können also auch gute Amateure sein. Entscheidend ist, dass sie ein gewisses Talent mitbringen und alles nach einem System verläuft. Einfach drauf los ist keine gute Variante. Damit fange ich mir üble Konter ein, wie IKEA das gerade erlebt. Ist ein Student oder freiberuflicher Texter heiß auf geilen Content, ist er ein guter Kandidat für mein Team. Ich kann auch Leute aus meiner eigenen Firma in die Welt des Contentmarketings einführen. Aber es ist nicht nur schreiben, schicke Bilder oder ein cooles Video machen. Es ist vor allem planen, recherchieren und sortieren. Das sollte ein Profi mit Ihnen erarbeiten.

Wissen, was knallt richtig ins Hirn?

Will ich im Netz durch Inhalte erfolgreich sein, brauche ich Relevanz. Themen, die meine Zielgruppe interessieren. Wenn wir uns beispielsweise auf einen kleinen Mittelstandsbetrieb konzentrieren, der die Vorzüge von Onlinemarketing für sich entdeckt hat und mitspielen will, wird sich der Unternehmer die Frage stellen: Worüber soll ich eigentlich schreiben? Oder um bei den Worten von Karl Kratz zu bleiben: „Was knallt richtig ins Hirn“?

Contentmarketing_MedailleDazu sollte man zunächst wissen, für wen man hier eigentlich liefert. Idealerweise entspricht die Leser-Zielgruppe und der Kunden-Zielgruppe, die man mit seinen gebloggten oder geteilten Inhalten einfangen möchte. Deshalb Credo an alle geilen-Content-verfassenden-Unternehmer: Zielgruppenspezifische Texte sollten es sein! Wenn Sie etwa ein Maschinenbauer sind und mithilfe komplexer Wirtschaftsnachrichten Kunden akquirieren wollen, könnte sich das als schwierig erweisen. Verbraucher sollten Sie als Experten Ihrer Branche und kompetenten Ansprechpartner wahrnehmen. Dafür eignen sich z.B.

  • Fachartikel
  • Tutorials / Whitepaper
  • Branchennews
  • Interviews
  • Bilder
  • Videos

Immer im Hinterkopf: Expertise, Kompetenz und Mehrwert stellen bereits gute Ansprüche an geilen Content. Aber natürlich kann es das noch nicht gewesen sein – denn Experten, Könner und Macher gibt’s viele da draußen. Will man sich richtig abheben und eine wahrliche Adresse werden, fehlt noch ein bisschen was. Die Taktik und die Aufmachung.

Taktisches Vorgehen ist Trainersache

Wer in diesem Spiel weit oben stehen möchte, braucht vor allem eine gute Taktik. Eine Strategie. Diese geben Sie vor. Ohne ein System und klare Zielvorgaben, sowie entsprechend taktische Anweisungen landen Sie schnell im wüsten Ödland verbrauchter Inhalte. Der Schrottplatz des Internets. Hier wird abgeflacht und niveaulos gebloggt, gepostet und geteilt. Ohne Sinn und Verstand explodiert die Anzahl der Blogs und banale Pseudoinhalte sprießen wie Pilze aus dem Nährboden des Internets. Denn alle machen mit. Selbsternannte Experten ohne Ende. Aber hier entscheidet nicht mehr die Qualität. Vergessen wir das.

Dem Schrottplatz des Internets entgehen

Wie Sie dem Ödland entgehen? Besinnen Sie sich auf das alte „Hey, ich bin Blogger“-Prinzip. Das heißt, aus eigener Motivation heraus Inhalte zu verfassen, sie der Welt mit all seinen Lesern kostenfrei zur Verfügung zu stellen und interessante Inhalte zu teilen. Diese Philosophie dümpelt nämlich im Trend des kommerziellen Socialweb dahin. Getreu dem Motto „Niveau ist keine Hautcreme“ findet sich nur noch ein Bruchteil derer, die nachhaltigen Wert auf Inhalt und Anspruch legen. Der Rest publiziert und teilt frohen Mutes auf Kniehöhe im Brackwasser des Contentmarketings. Wenn sich Anhänger dieser Content-„Strategie“ allerdings im eigenen Unternehmen wiederfinden und mit wehenden Fahnen unter Logo und Identität der Firma ihre seichten Inhalte verbreiten, ist das nicht unbedingt die beste Variante, Traffic, Umsatz und Reputation zu erhöhen. Diese Erkenntnisse durch Fehler Anderer sind wertvoll.

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Reputation ist keine Geschmackssache

Die Frage ist immer, wie möchte man im Gespräch bleiben? In welchen Kreisen möchte man als Vorzeigemodell dienen? Wenn sich Unternehmen über Jahre aufgebaut und etabliert haben, sollte man sich das gewonnene Renommee nicht durch allzu übereifrige Socialmedia-Aktivitäten kaputtmachen lassen. Was aber nicht heißt, unregelmäßig zu veröffentlichen! Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Inhalte alle 1-2 Wochen schon ausreichen können, um eine treue Leserschaft und Reputation aufzubauen. Bei meiner Aktivität sollte ich zudem immer auf eine gelungene Mischung achten und nicht einseitig werden.

  1. Imposant
  2. Lustig
  3. Interessant
  4. Informativ

Immer passend zu meinen Unternehmenswerten. Dazu hilfreich dieser Artikel zur Online-Reputation.

Die Sache mit der Aufmachung

Erst kürzlich las ich einen Artikel darüber, dass es Menschen der Generation Smartphone mittlerweile verlernt haben, sich noch nachhaltig in Wort und Schrift auszudrücken. Das sei in Zeiten von Emotions und Smilies ja ohnehin unnötig geworden. Leider scheint das bezüglich der Beliebtheit von Blogbeiträgen nicht weit hergeholt: Die meistgelesenen Artikel sind oftmals jene, in denen froh und bunt Bilder, Videos und andere Tools die geschriebenen schwarzen Zeilen dazwischen umranden. Klar, das hat immer viel mit der angepeilten Zielgruppe zu tun. Aber es gilt nicht unbedingt: Je bunter, desto geiler! Doch tatsächlich kann man auch bei Geschäftskontakten eine Menge herausholen, wenn man es gekonnt versteht, seinen Content mit ein paar Features zu untermalen. Bilder und Grafiken helfen dabei genauso wie Videos.

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Wo verbreite ich am Besten?

Die Antwort ist einfach: Da, wo Ihre Zielgruppe ist. Des Weiteren sollten die Inhalte und Plattformen (Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, etc.) zur eigenen Corporate Identity, den Werten und Idealen des Unternehmens passen. Ein grobes Raster könnte so aussehen:

  1. Sachliches // z.B. Blog, XING, LinkedIn,Google+, Twitter
  2. Fachliches // z.B. Blog, XING, LinkedIn, Google+
  3. Bilder // z.B. Facebook, Instagram, Google+, Twitter
  4. Humor // z.B. Facebook, Google+, Twitter
  5. Unglaubliches // z.B. Facebook, Google+

Eine interessanter Überblick der Nutzereigenschaften verschiedener Netzwerke findet sich hier.

Ich brauch das alles nicht, meine Kunden sind nicht im Internet.

Contentmarketing_TeamSie haben schon so viele regelmäßige Leser oder Ihre Auftragsbücher strotzen nur so von Kundenaufträgen? Klasse. Eine ideale Ausgangssituation, um Geld in nachhaltiges Socialmedia-Marketing zu investieren. Denn selbst wenn es so sein sollte, ist das noch lange kein Grund, hochmütig das Internet als Spielplatz abzutun und seine Online-Aktivitäten brach liegen zu lassen. Im Jahr 2013 wurden im Internet durch direkten Handel fast 50.000.000.000 Euro umgesetzt. Der passive Umsatz durch Reputation, Contentmarketing und gute Auffindbarkeit dürfte noch höher sein. Unternehmen, die heute aktiv und clever in ihre digitale Sichtbarkeit investieren, sind die Sieger von morgen. Unser Artikel beansprucht dabei nicht der Geilste zu sein, aber er könnte helfen.

 

Unvollständige Liste von Experten und Themenkennern.

http://www.bjoerntantau.com

http://www.talkabout.de

http://www.franz-keim.de/

http://www.quinkertpr.de

http://www.easy-leadership.com

http://www.wds7.at/

http://www.pr-blogger.de/

 

Autor: O. Marquardt und M. Fett

(Quellen: www.bitkom.de / www.freepik.com / www.find-das-bild.de)

O. Marquardt

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Er arbeitete als Texter in renommierten Werbeagenturen, bevor er sich als Marketing- und Kommunikationsberater für Großunternehmen selbstständig machte. Mittlerweile ist er gefragter Berater für Markenentwicklung im Mittelstand und Autor vieler Fachartikel. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für wertebasierte Markenentwicklung in Marburg. Zum Kundenkreis zählen klassische, mittelständische Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. Privat interessiert er sich für philosophische Fragen rund um Gesellschaft und Kommunikation, spielt Golf, produziert Musik und kocht gerne.

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