Tradition verpflichtet: Der Mittelstand im Spagat zwischen Innovation und Tradition

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burner-8476_640Gustav Mahler prägte einst den wunderbaren Ausspruch: „Tradition ist die Weitergabe der Flamme, nicht die Anbetung der Asche„. Hinter diesen Worten verbirgt sich eine Menge Wahrheit. Wohl die wenigsten Unternehmen stünden heute dort, wo sie sind, wenn sie sich im Laufe ihrer Geschichte nicht immer wieder an den eigenen und bewährten Grundsätzen sowie  Traditionen orientiert hätten. Aber reicht der Verweis auf die Vergangenheit im modernen Wettbewerb aus, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben?Entwicklung und Fortschritt hängen in hohem Maße von erfolgsgebenden Konzepten ab, die sich bereits in früheren Zeiten beweisen konnten. Bauen Firmen allerdings zu starr auf Altbewährtes und verpassen es somit, sich neuen Märkten und verändernden Verbrauchergewohnheiten zu öffnen, laufen sie Gefahr, von fortschrittlichen Konkurrenzunternehmen überholt zu werden. Im heutigen Wettbewerb reicht es nicht mehr aus, sich auf den Lorbeeren einstiger Prestigeprojekte auszuruhen. Um wirkungsvoll im Kampf um Marktanteile und Gewinnevidenz punkten zu können, müssen Unternehmen ein individuelles Gleichgewicht zwischen tradierten Erfolgskonzepten und innovativen Ideen finden. Im heutigen Artikel wollen wir diesem Gleichgewicht eine genauere Betrachtung schenken und die Frage klären, welche Strategien dem Mittelstand nachhaltigen Erfolg versprechen.

Erfolg im Wettbewerb durch dubiose Geschäfte?

In unserer Schwerpunktreihe „Unternehmenskultur“ wollten wir immer wieder auf einen zentralen Gedanken aufmerksam machen: Nachhaltiges und zugleich gewinnmaximierendes Wirtschaften sind keine Gegensätze. Leider sehen das viele der nach Einfluss und Macht strebenden Konzerne noch immer anders, auch wenn in den letzten Jahren die Anzeichen für ein erstes, leises Umdenken auszumachen sind. Häufig wird man mit Worten wie: „Die Konkurrenz produziert so billig – um am Markt zu überleben, kann ich gar nicht anders, als mich ebenfalls dieser Produktionsweise zu bedienen“ konfrontiert. Doch stimmt das? Hat man heutzutage tatsächlich keine Chance mehr an vorderster Front mitzumischen, wenn man sich nicht dubiosen und unökologischen Herstellungsprozeduren bedient? Der inflationäre Preiskampf in der hiesigen Lebensmittelbranche scheint dieses Denken zumindest nahezulegen. Auch Traditionsunternehmen wie Loewe müssen von der „Billig-Konkurrenz“ den Hut ziehen und werden in die Insolvenz getrieben. Ähnlich verhält es sich in einigen tradierten Familienunternehmen. Viele namenhafte Marken familiengeführter Betriebe werden vom Markt gedrängt; sie sehen sich am stärksten dem Spagat zwischen Innovation und Tradition ausgesetzt.

Familienunternehmen: Fremde Geschäftsführer steigern den Innovationsmut

Unternehmensführer obliegt es natürlich selbst, in welchem Maße sie sich Trends öffnen, um damit neuen Strebungen und wechselnden Bedürfnissen der Verbraucher entgegenzukommen. Interessant gestaltet sich das vor allem für Familienunternehmen. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Wachstumsperspektiven und die Eigentümerstruktur eines Betriebs eng miteinander verwoben sind. Erst kürzlich wurde dieser Umstand eindrücklich durch eine Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (Wifu) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC in Zahlen verdeutlicht: Demnach wachsen  Unternehmen bedeutend langsamer, wenn sehr viele oder nur eine einzelne Führungsperson das Sagen in familiengeführten Betrieben hat. Gleichzeitig zeigen sich jene Betriebe innovationsfreudiger und damit stärker am marktwirtschaftlichen Geschehen beteiligt, welche familienfremd geführt werden. Wie erklärt sich dieser Umstand? Sind jene fremden Geschäftsführer erfolgreicher und „mutiger“ in Sachen Neuerungen, weil sie eben nicht (nur) auf Tradition bauen? Peter Bartels, Vorstand der PWC, erklärt die Ergebnisse: „Für die befragten Familienunternehmen gilt: je höher der Anteil familienfremder Geschäftsführer und je kürzer die Amtszeit der Geschäftsführer ist, desto eher nimmt das Wachstumstempo zu“. Ein Grund darin liegt vor allem in den transatlantischen Investitionen, so zumindest Wifu-Direktor Tom Rüsen. So investieren mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen immer mehr Geld nach China, wodurch mittlerweile sogar den USA der erste Rang abspenstig gemacht werden konnte.

Perspektiven einer wertebasierten Unternehmensführung

Die Grundidee eine wertebasierten Unternehmensführung trägt nicht pauschal das Stigma von Traditionsverbundenheit oder sperrt sich gar gegen jeglichen Fortschritt und Entwicklung, seien diese wirtschaftlicher oder technischer Natur. Dieser Gedanke führt in die Irre. Es ist wichtig, eine an Nachhaltigkeit und Ökologie orientierte Betriebsausrichtung und die Investition in  Innovation und Zukunft als zwei verschiedene Paar Schuhe zu betrachten. Genauso, wie die meisten Menschen mehr als ein Paar Schuhe besitzen, so ist es auch für Firmen möglich, weder ihre bewährten Konzepte und unternehmerischen Werte aufgeben zu müssen, um sich Wachstum und Progression zu öffnen. Man könnte gar soweit gehen und behaupten: Gerade weil sich ein Unternehmen heutzutage als ökologisch handelnd und bedacht produzierend auszeichnet, sich den modernen Möglichkeiten bedient, welche jüngst durch das Vorhaben der Energiewende entwickelt werden und damit zunehmend auf Kundenvertrauen und Naturintelligenz setzt, ist dieses Unternehmen so fortschrittlich wie kaum ein konventioneller Betrieb. Wieder einmal ist es dieser Unterschied, der den Unterschied ausmachen kann, zwischen Erfolg und Misserfolg, Gewinn und zweiter Reihe.

Akquisition ist der beste Wachstumsmotor

In der angesprochenen Studie wurde ebenfalls aufgedeckt, dass ca. 40 Prozent der befragten Betriebe vor allem durch Akquisitionen am Markt punkten konnten. Ein Fünftel gründete demnach im In- und Ausland oder kaufte die eigene Konkurrenz auf. Auch, wenn die Übernahme fremder Unternehmen für die meisten Betriebe sicherlich übertrieben oder kaum machbar ist: Der Grundgedanke wird deutlich. Schotten sich Firmen gegenüber den Veränderungen von Markt und Gesellschaft ab und vertrauen stur auf die eigenen Erfolgsgeschichten, ist der Untergang vorprogrammiert. Daniel Fürg führte dies in einem seiner Huffpostartikel kürzlich anschaulich zusammen, indem er behauptete: „Viele Unternehmen beschäftigen sich heute nur noch damit, wie sie bestehende Produkte weiter optimieren und zugleich kostengünstiger produzieren können„. Kurzfristig mag dies zwar helfen und am Ende des Jahres stehen hübsche schwarze Zahlen unter dem Strich – die Frage ist aber: Wie lang kann ein solches Wirtschaften gut gehen? Die führenden Entwickler in Vergangenheit und Gegenwart konnten ihren Erfolg nicht erreichen, indem sie sich nur auf das Haben und Optimieren fokussierten. Es waren die Investitionen und der Mut, welche das Fortkommen sicherten. Für Unternehmen gilt, so Fürg: „Wer langfristig Erfolg haben möchte, muss sich und seine Produkte immer wieder neu erfinden und dafür bereit sein Risiken einzugehen„. Wir ergänzen: Durch nachhaltige und vernünftige Konzepte stellen sich auch langfristig die angestrebten Gewinne ein.

Die Weitergabe der Flamme

Mit dieser kurzen Ausführung hoffen wir, dass noch einmal deutlich geworden ist, an welchen Hebeln Unternehmen schalten können. Die Konkurrenz schläft nicht. Verstehen es andere Betriebe, den Anforderungen von Kunden und Zielgruppen besser zu entsprechen, laufen tradierte Unternehmen langfristig Gefahr, auch langjährige Stammkundschaft zu verlieren. Markt und Gesellschaft sind in stetigem Wandel. So reicht es nicht mehr, sich auf einstigen Vorreiterideen auszuruhen, vielleicht hier und dort kleine Anpassungen und Neuausrichtungen vorzunehmen: Wenn es Verbraucher und Zeitgeist erfordern, ist ein Umdenken in innovative Konzepte und Produktionslinien gefordert. Wesentlich ist dabei jedoch, dass trotz aller Wachstumsstrebung nicht über das eigene Potential gewirtschaftet oder aus reiner Machtgier das Vertrauen der Kunden aufs Spiel gesetzt werden darf. Wie schon in den vorherigen Artikel zur Serien angesprochen, können gerade die Stärke in Ökologie und Nachhaltigkeit der Wachstumsmotor Nummer 1 des Mittelstands sein. Das Schlusswort gestatten wir deshalb einem der vielleicht innovastiven Köpfe der vergangenen Jahre: Steve Jobs.

Autor: M. Fett & O. Marquardt

Quellen: Handelsblatt

Bildquelle: 6320811129/PresseBox.de/ flickr.com / CC 2.0

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Marquardt+Compagnie ist ein ganzheitlich denkender Markenentwickler mit Marketingkompetenz aus 10 Jahren Kommunikationsarbeit. Bei uns im Blog finden Sie verschiedene Artikel zu den Themen Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung.

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