Und App geht’s! Apps als Monetarisierungsstrategie

>Lesezeit ca: 6 Minute(n)

Diese Branche boomt! Und das seit Jahren. Die Nutzerzahlen der kleinen Smartphone und Tablet-Softwares sind in kürzester Zeit so enorm gestiegen, dass andere Industriebereiche von den generierten Umsätzen nur träumen können.  In diesem Zusammenhang haben wir uns gefragt, was sie ausmacht, die erfolgreichsten, die lukrativsten Entwickler. Denn wie überall gibt es solche Apps, die dank hoher Nachfrage auch große Gewinne abwerfen, mit denen mal also richtig Geld verdienen kann. Aber es gibt eben auch jene, die praktisch keinerlei Ertrag für die Anbieter bereithalten.

Gewinn = klasse App + erfolgreiche Strategie

Gibt es ein Patentrezept für den Erfolg? Wenn es eines gäbe, dann würden wir mit Sicherheit jetzt irgendwo in einem kleinen Südseeparadies in einer Hängematte liegen… Aber im Ernst. Erfolg ist (meist) kein Zufall. Vor allem Erfolg im Marketing hat neben einem Quäntchen Glück sehr viel mit strategischer Überlegung, Planung und einiges an Einfallsreichtum zu tun. Autoren viraler Hits werden Ihnen das bestätigen. Wie genau Viralität funktioniert, haben wir in unserem letzten Artikel beschrieben. In diesem Artikel wollen wir wie angekündigt auf die Suche nach einem möglichen Patentrezept im Bereich App-Entwicklung gehen. Wir stellen Ihnen unterschiedliche Möglichkeiten der Monetarisierung mit Apps vor sowie deren  Voraussetzungen und geben jeweils Strategieempfehlungen.

Ein paar Eckdaten der App-Branche

Um Ihnen die Bedeutung einer Strategie in der App-Monetarisierung zu verdeutlichen, schauen Sie sich die folgenden Zahlen an:

1. Den größten Umsatz werfen Spiele ab: Wenn es erklärtes Ziel ist, mit Apps Geld zu verdienen, sollte man an die Entwicklung von Spielen für iOS und Android denken. 80 % der Umsätze auf Google Play und 75 % im iOS Store werden durch Games erzielt.
2. iOS schlägt Android: Das Lager ist seit Beginn tief gespalten. Stellt man die Gretchenfrage „iOS oder doch lieber Android?“ so lautet die Antwort in Sachen Gewinngenerierung eindeutig: iOS. Der Gesamtumsatz von iOS Apps ist 2,6 x höher als der von Android Apps (siehe dazu die untere Grafik; Quelle: App Annie Intelligence; Q2, 2013).
3. In den USA und China wird am meisten geladen: Download-Sitzenreiter von Apps sind die USA und China. Es kann sich also als sinnvoll erweisen, etwa die chinesischen Stores von Tencents und Baidu mit einzubeziehen, um eine höhere Downloadrate zu erreichen. Die beiden genannten Stores kommen in der Veröffentlichungsrate neuer Apps gleich hinter dem iOS Store und Google Play.
4. Verschiedene Modelle – verschiedene Möglichkeiten. Der größte Teil wird heute mit sogenannten „In-App“-Käufen generiert. 2013 kamen 71 % der Gewinne aus dieser Ecke.

App-Monetarisierung-Beispiel-13

Bevor es losgeht: Die Voraussetzungen müssen stimmen

Für informierte App-Entwickler werden diese Zahlen sicher nichts Neues sein. Für sie stellt sich vielmehr die drängende Frage: Wie kann ich mit meiner App Geld verdienen? Und schon kommen wir zur Strategie. Vor der Veröffentlichung (beziehungsweise noch etwas vorher, vor der Konzeption und gestalterischen Umsetzung des Angebots) sollten sich Anbieter über folgende Fragen Gedanken machen:

a) Wird die App oft genutzt oder nur zu bestimmten (seltenen) Anlässen?

b) Bietet die App hinreichend Alleinstellungsmerkmale und ist sie es überhaupt wert, als Bezahl-App realisiert werden zu können?

c) Welche Strategien verfolgt die Konkurrenz? Wie sieht das Marktangebot aus? Gibt es  neben meiner kostenpflichtigen App bereits gleichwertige kostenlose Varianten mit ähnlichen Funktionen?

Ein Beispiel dazu, bevor wir in die verschiedenen Monetarisierungsmodelle einsteigen: Falls man seine App mit Werbung finanzieren möchten, sollte dafür Sorge getragen werden, dass User das Programm auch für einen möglichst langen Zeitraum nutzen. Eine gute Plattform bietet hier wiederum die Spieleabteilung: Nutzer sind während des Spielens im Grunde permanent an den Bildschirm gebannt – eine tolle Möglichkeit, unaufdringliche Werbung zu platzieren. Daher ist es wichtig, diese nicht so zu gestalten, dass die Verbraucher davon genervt oder abgeschreckt werden. Wird gar die Bedienungsfreundlichkeit eingeschränkt, führt das über kurz oder lang zu einer abnehmenden Verwendung – und damit gehen auch Ihre Einnahmen flöten.

5 Möglichkeiten, mit Apps Geld zu verdienen

Seit der Einführung des App-Stores im Jahr 2008 hat sich die Beantwortung der Gretchenfrage „kostenlose oder bezahlte Apps“ stark zu Gunsten der kostenfreien gewandelt. Appsfire berichtet, dass 2012 lediglich 34 % an bezahlungspflichtigen Programmen gekauft wurden. 2008 waren das noch ganze 74 %. Was war in der Zwischenzeit passiert? Mehr und Mehr Anbieter vertrauen einem vielversprechenden Geschäftsmodell: Freemium.

1. Freemium definiert sich laut Angaben eines großen Online-Lexikons als Modell, „bei dem Basisdienste gratis angeboten werden und über das Basisangebot hinausgehende Dienste kostenpflichtig sind“. Der Kauf jener Dienste innerhalb der App wird als In-App-Purchasing genannt. Für Kunden wie Entwickler hält das Modell eine Reihe von Vorteilen bereit: Nutzer können die zentralen Funktionen in Ruhe kostenfrei nutzen und dann ohne Konsequenzen entscheiden, ob ihnen die App gefällt – und bei Bedarf weitere Optionen hinzukaufen. Eine andere Variante des Freemium-Modells ist es, dem User den kompletten Umfang des Angebots für einen bestimmten Zeitraum (etwa 30 Tage) kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nach Ablauf dieser Probezeit hat er dann die Möglichkeit, das Premiumangebot kostenpflichtig zu nutzen.

2. Bei den Bezahl-Apps  werden die Verbraucher bereits beim Download nach einer einmaligen Zahlung oder einem Abonnement gefragt. Wie wir bereits eingangs festgestellt haben, wankt dieses Modell jedoch. Es kann jedoch durchaus Sinn ergeben, wenn sich auf eine definierte Zielgruppe konzentriert wird und diese dadurch für die entsprechende Gruppe einen bedeutenden Mehrwert bieten, welchem mit kostenfreien Angeboten nicht oder nur sporadisch entsprochen wird. Möchte man den ganz großen Wurf in Sache Reichweite und Massendownload erreichen, ist diese Variante allerdings weniger geeignet. Hier sollten Anbieter ihre Dienste frei zur Verfügung stellen und andere Monetarisierungsmodelle wählen.
3. Werbung in kostenfreien Apps beispielsweise wäre eine gute Möglichkeit. Die Nutzer bekommen von Zeit zu Zeit kurze Werbeplattformen präsentiert, etwa in Form von Bannern, Minisequenzen (sogenannte „Intersitials”) oder dergleichen. Klickt der User auf die Werbung, zahlt der Anbieter an den App-Entwickler.
4. Der Königsweg der Monetarisierungsmodelle ist vermutlich der In-App-Kauf. Allen voran profitieren davon vor allem die Spielehersteller. Das Modell funktioniert ähnlich wie Freemium: Verbraucher haben die Möglichkeit, nach kostenfreien oder bezahlten Download zusätzliche Optionen, Funktionen oder (innerhalb von Spielen) bestimmte Dinge zu kaufen. Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, die Zusatzoptionen nicht zu teuer zu gestalten, da sie sonst nicht mehr in diesem Umfang in Anspruch genommen werden.
5. Last but not least: Die Nutzergenerierung (oder auch „User Base“). Die Intention hinter diesem Modell ist es, möglichst viele Nutzer für die App zu gewinnen. Dabei wird zumeist ein System kostenlos oder gegen einen kleinen Betrag bereitgestellt. Ziel ist es, die Nutzerinformationen an einen Dritten weiterzuverkaufen. Dieser Dritte ist an dieser „User Base“ interessiert. Bestes Beispiel stellt vermutlich die Übernahme des Messengerdienstes „Whatsapp“ durch Facebook dar. Facebook ermöglicht dieser Kauf jetzt die Möglichkeit, weitere Monetarisierungswege für die Whatsapp-User umzusetzen.

„Best practice“ nach aktuellem Erkenntnisstand

Wie könnte es also aussehen, das Patentrezept für eine erfolgreiche App-Monetarisierung? Fasst man die Ergebnisse des Beitrags zusammen, sollte man ein Spiel auf iOS-Basis entwickeln und dieses im „In-App-Kaufmodell“ monetarisieren. Allerdings sollte man dabei wie bei allen wirkungsvollen Marketingstrategien nicht die spezifischen Wünsche und Eigenarten der angepeilten Zielgruppe außer Augen lassen. In diesem Zusammenhang ist die Beantwortung von Fragen etwa nach der Funktionalität, dem Umfang, des Nutzungsverhaltens der Zielgruppe sowie deren Mehrwert durch die App unerlässlich. Die Antworten darauf bieten einen guten Leitfaden, welche Umsatzstrategie für das eigene Angebot angemessen und zielführend sein wird.

Autor: M. Fett & O.. Marquardt

Quellen: yuhiro.de; onlinemarketing.de; faz.net; blog.appsfire.com; pixabay.com

 

Redaktion

Redaktion

Marquardt+Compagnie ist ein ganzheitlich denkender Markenentwickler mit Marketingkompetenz aus 10 Jahren Kommunikationsarbeit. Bei uns im Blog finden Sie verschiedene Artikel zu den Themen Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung.

More Posts

Google+ Kommentare