Unternehmenskultur? Mehr als bloße Wohlfühlatmosphäre!

>Lesezeit ca: 6 Minute(n)

roadside-assistance-76565_1280Neuer Monat, neuer Schwerpunkt. Im März befassen wir uns mit dem großen Überthema der Organisations- und Unternehmenskultur. Entstehung und Entwicklung kultureller Wertmuster, die Rückbesinnung auf einst so selbstverständliche Führungswürden und Kaufmannsqualitäten sollen im Zuge dieser Betrachtung zum Tragen kommen. Dabei wollen wir ganz den ganz konkreten Nutzen für Firmen aufzeigen: Lohnt es für innovative, fortschrittlich denkende Unternehmen noch, im Kontext aktueller marktwirtschaftlicher Strebungen und Ziele, den Blick „zurück“ zu wenden? Welche Vorteile bieten nachhaltige Produktion sowie soziale Unternehmenspolitik nach außen und innen, gegenüber Kunden und Mitarbeitern? Welche Rolle nehmen Innovationen und Neuerungen ein?

Drei Schwerpunkte, ein Ziel: Kleine und mittelständische Unternehmen im Wettbewerb stärken

Wie schon im vergangenen Monat, als es um den Aufbau einer wirkungsvollen „Corporate Identity“ und somit zielführende Unternehmensausrichtung hinsichtlich Design, Verhalten und Außenwirkung ging, wird der Schwerpunkt „Unternehmenskultur“ im Kern von drei Teilaspekten getragen, denen wir wöchentlich einen eigenen, umfangreichen Fachartikel widmen wollen. Nachdem wir heute zunächst erläutern, was eine Firmenkultur sinngemäß ausmacht und wie sie gerade Mittelständlern als Trumpf im Wettbewerb dienen kann, folgen in den kommenden Wochen Beiträge zu den Bereichen „Führung und Delegation“, „Werbung und Vertrieb“ sowie den Pros und eventuellen Kontras für Unternehmen, die sich auf „Innovation und Übernahmen“ konzentrieren. Die Bereiche werden inhaltlich auf unserem Leitthema aufbauen und somit weniger allgemein verfasst sein: Es soll konkret um den Wert einer verträglichen, nachhaltigen und trotzdem effizienten Unternehmensausrichtung gehen, bei derer sowohl Gesellschaft, als auch Betriebe sichtbar profitieren.

Über Ethik, Manipulation und Verantwortung

Regelmäßigen Lesern unserer Artikel wird bereits aufgefallen sein, dass es eines unserer Kernanliegen ist, mit nachhaltigen Konzepten und beständigen Unternehmenswerten die effiziente Leistung für Betriebe und deren Mitglieder zu verfolgen. Strategie, Erfolg und Wirtschaftsethik sind keine Antagonisten, wie einzelne Unternehmer vielleicht denken. Es gibt eine reichhaltige Fülle zwischen den beiden Extremen „gnadenloses Gewinnstreben“ und „fruchtloser Wirtschaftskultur“. An dieser Fülle können Sie echten Mehrwert und ideale Mittel finden, um sich gegenüber Oligopolen, Marktführern und harten Konkurrenten zu behaupten. Wir wollen dabei einige grundlegende Informationen an die Hand liefern und im Fortgang ein beständiger Partner in Umsetzung und Verfolgung der eigenen Ziele sein.

Was man vom ADAC noch lernen kann

Kurz und knapp: Wie man es nicht machen sollte. Wenn es auch nur eine einzige Lehre aus den jüngsten Enthüllungen rund um die Zahlenmanipulationen und den folgenden Vertrauensverlust beim einstigen Branchenprimus ADAC gibt, dann ist es jene, dass die Verbraucher und Gesellschaft jene unmittelbar und hart bestraft, welche sich auf Kosten der Bevölkerung unrechtmäßig bereichert haben. In Zeiten, in denen der Markt von vielen Firmen stark umkämpft wird und die Auswahl der Konkurrenz groß ist, sind Verbraucher längst nicht mehr auf einzelne Unternehmen angewiesen. Der ADAC spürt aktuell den Verlust vieler Tausend seiner langjährigen Kunden. Zahlen von fast 200.000 Kündigungen spuken durch die Medien.

Wir fragen uns: Was ist hier falsch gelaufen? Die schlichte, wenn auch unschöne Antwort: Vertrauens- und Werteverlust werden sofort bestraft. Zu irgendeinem Zeitpunkt haben sich die führenden Köpfe des Automobilclubs dazu entschieden, ihr einstiges Leitbild aufzugeben und machtfokussierten Ambitionen sowie einer undurchsichtigen Lobbypolitik freien Spielraum zu lassen. Klar, das mag funktionieren, solang es die Kunden nicht bemerken und das eigene Gewissen nicht interveniert. Wenn Skandale, wie im Falle des ADAC jene systematische Manipulation bei der Vergabe des Gelben Engel, ans Licht kommen und fluthaft Presse und Medien überschwemmen – dann sind die Folgen absehbar: Der Vorstand tritt ab, die Kunden gehen, das Vertrauen ist vergeben. Nicht jedes Unternehmen kann sich das finanziell, geschweigedenn ideell leisten.

Weiche Form, harter Kern? Was Unternehmenskultur eigentlich ist. Und was nicht.

Es wird klar: Die Kultur in einem Unternehmen beeinflusst seinen wirtschaftlichen Erfolg. Negativ, wie hier am Beispiel ADAC deutlich zu erkennen, oder aber positiv, wenn sich auf sozialverträgliche, ökologische Ideen konzentriert wird. Definierte und vorgelebte Werte und Normen machen den Wert aus, den es für sich zu nutzen gilt. Ein wiederkehrendes Phänomen dabei ist, dass sich die Führungsebene erst wirklich mit ihrer eigenen Unternehmenskultur auseinander zu setzen scheint, wenn sie mit Missmanagement konfrontiert wurde oder der Betrieb in existenziellen Krisen steckt. Auch das ist durchaus nachvollziehbar: Wieso sollte man sich mit etwas beschäftigen, solang es denn „irgendwie“ funktioniert?

Nähern wir uns also der Antwort, was Unternehmenskultur ist. Eine bloße Definition in den Raum zu stellen, halten wir an dieser Stelle für verfehlt. Definitionen haben den fahlen Beigeschmack, schnell gelesen und ebenso schnell vergessen zu werden.

Unternehmenskultur ist…
  • Bei einer Reklamation wird Ihnen sofort erklärt, woran der Fehler liegt bzw. liegen könnte, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
  • Sie werden von einem Händler auch nach dem Kauf noch mit der gleichen Aufmerksamkeit betreut, wie vor dem Kauf.
  • Sie erkundigen sich telefonisch nach den Öffnungszeiten und erhalten die Antwort: „Eigentlich haben wir in zehn Minuten Mittag, aber wenn Sie gleich noch vorbeikommen, dann warte ich solange auf Sie“.
  • Im Unternehmen wird spürbar auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten; jeder tut auf seinem Platz das Notwendige, die Kollegen unterstützen sich untereinander.
 Unbenannt-2
 
Überlegen Sie, was hier der zentrale Punkt ist und wie Sie sich in diesem Moment fühlen. Jetzt zwei andere Beispiele:
  • Mit nichtssagenden Begründungen („wegen einer betriebsbedingten Störung“) wird am Bahnsteig über Lautsprecher um Verständnis für Verspätungen und andere Widrigkeiten gebeten.
  • Als Lieferant werden Sie regelmäßig ungerecht und entwürdigend behandelt.
  • Die oberste Führungsebene beklagt fortwährend die Absicherungsmentalität im Unternehmen und fordert mehr Risikobereitschaft, reagiert aber äußerst heftig auf gemachte Fehler.
  • Zwischen verschiedenen Abteilungen wird ein anhaltender Stellungskrieg geführt, wobei jede Seite versucht, zu Lasten der anderen vollendete Tatsachen zu schaffen.

Unternehmenskultur bedeutet mehr als Wohlfühlklima #mqco

Anhand dieser exemplarischen Beispiele wird es allmählich deutlich, dass eine gelebte Unternehmenskultur nicht nur atmosphärische, sondern auch betriebswirtschaftliche Folgen haben kann. Auf der einen Seite werden Verbraucher, wo immer ihnen die Möglichkeit dazu geboten wird, nach Anbietern suchen, welche ihren Forderungen und Bedürfnissen  größtmöglich entgegenkommen. Professionelle, kooperative und allen voran freundliche Unternehmen haben hier also die Nase vorn. Ebenso agieren Lieferanten. Besonders  jene, welche aufgrund ihrer starken Marktposition nicht auf jeden Auftrag angewiesen sind. Hochwertige Mitarbeiter suchen gezielt nach herausfordernden, innovativen Betrieben, in denen sie sich optimal einbringen können, wo ihre Klasse geschätzt und gefördert wird und eben nicht Stagnation und Stillstand vorherrschen. So werden sich auch die Dienstleistungen eines kooperativ-leistungsorientieren Unternehmens quantitativ wie qualitativ deutlich von denen einer Firma unterscheiden, welche mit beiden Beinen in Absicherung und Risikovermeidung steht. Was bedeutet Unternehmenskultur also konkret? Nach diesen Beispielen vor allem eines: Einen entscheidenen Wettbewerbsvorteil.

Ursprüngliche Werte oder knallharte Erneuerung? Was ist das Richtige?

Setzt man auf langjährige Erfahrung und alte Gewohnheiten oder konzentriert sich vermehrt Erneuerung und Innovation? Die für das eigene Unternehmen optimale und passende Kultur zu finden, einen sinnvollen Mittelweg bzw. das eigene Stand- und Spielbein festzulegen – es gehört nicht unbedingt zu den leichtesten Aufgaben der Führungsebene. Im Zuge unserer Schwerpunktserie soll die Entscheidung für eine eigene Kultur sowie jene individuellen Vor- und eventuellen Nachteile systematisch erklärt und verdeutlicht werden. Mit unseren Beiträgen möchten wir Unternehmen auf dem Weg zu einem aufstrebenden wirtschaftlichen Erfolg begleiten und zeigen, dass man trotzdem einer toleranten, in sich stimmigen Betriebsführung nicht entgegentreten muss. So soll die Wahrnehmung für Arbeitnehmergesundheit, Ökologie und Nachhaltigkeit verfeinert werden. Dabei gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß: KMU können, wenn sie sich trauen, in einem wahren Regenbogen aus Farben schöpfen!

In der kommenden Woche folgt der erste Artikel zum Thema Führung!
 

Autor: M. Fett / O. Marquardt

Redaktion

Redaktion

Marquardt+Compagnie ist ein ganzheitlich denkender Markenentwickler mit Marketingkompetenz aus 10 Jahren Kommunikationsarbeit. Bei uns im Blog finden Sie verschiedene Artikel zu den Themen Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung.

More Posts

Google+ Kommentare