Unternehmenskultur: Deutschlands Führungskultur ist eine Gefahr

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Ludwig Erhard mit seinem BuchDeutschlands Wirtschaft war in vielerlei Hinsicht geradezu vorbildlich. Unsere Führungs- und Unternehmenskultur hatten schon immer maßgeblichen Einfluss darauf. Der Mangel an Innovation in diesem Bereich ist aber nicht das Einzige, was unseren Wirtschaftsstandort bedroht.

Es war einmal ein starkes Land. Know-how, Qualität und Verlässlichkeit zeichneten unsere Wirtschaftskraft aus. Gepaart mit einer erfolgsversprechenden Führungskultur und motivierten Arbeitnehmern brachte das unserem Wirtschaftsstandort ein starkes Fundament, von dem aus deutsche Produkte die Welt erobern konnten. Ein Fundament, von dem wir noch heute profitieren. Das zeigt auch die beinahe unheimliche Stabilität innerhalb der Eurozone. Doch wir zehren von Lorbeeren der Vergangenheit. Die Zukunft hat uns fast schon abgehängt.

Umdenken bedeutet Wettbewerbsfähigkeit

Deutschland sägt an seiner Existenz. Von den gewinnbringenden Eigenschaften ist nicht mehr viel übrig. Wertvolles „Know-how“ und technologischen Fortschritt besitzen inzwischen auch andere Länder, die daraus immer hochwertigere Produkte fertigen. Selbst beim Service haben ehemalige Schwellenländer den Deutschen teilweise schon den Rang abgelaufen. Zu lange ging es uns zu gut. Dabei wollen nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch immer mehr Führungskräfte schon länger den Wandel. Der frühere Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger dazu in der ZEIT: „Viele Manager fühlen sich wie Gefängnisinsassen in einem System, das nicht ihren Vorstellungen entspricht.“ Damit dürften vor allem nachrückende, jüngere Führungskräfte gemeint sein, die in Unternehmen immer wieder mit veralteten Wertesystemen und Führungsstilen kollidieren, welche geradezu anachronistisch wirken. An falschen Idealen ausgerichtete Führungskultur ist eine große Gefahr. Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post, warnt deutlich: „Die westliche Unternehmenskultur beruht auf Stress, Schlafentzug und Burnout“. Führungskräfte gehen diesen Weg immer seltener mit.

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Bildung großer Schwachpunkt

Dazu kommt die Reformierung des Bildungssystems nicht zügig genug voran. Kernelement der schulischen Ausbildung ist immer noch das stupide Abfragen von Wissen. Dynamisches Lernen, mit früher Förderung von Talenten und das Verknüpfen von theoretischem Wissen mit praxisnaher Anwendung kommen immer noch viel zu kurz. Gerade die so wichtigen Softskills, wie Empathie, soziales Miteinander und Teamfähigkeit, sowie Disziplin und eigene Führung sucht man in der Hochschullehre vergeblich. Für Franz Kühmeyer von Zukunftsinstitut ist das unverständlich: „Ein Manager zeichnet sich nicht mehr durch seine Position an der Spitze aus, sondern durch seine Rolle als Gestalter und Veränderer aus der Mitte des Unternehmens heraus (…) Zusätzlich zur Prozess-Optimierung gewinnt die Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit erheblich an Bedeutung.

Die Fähigkeit zur Veränderung wird ein Wettbewerbsvorteil

Aus der Praxis heraus sieht Oliver Marquardt, Geschäftsführer einer renommierten Kommunikationsberatung, dabei vor allem bei Inhabern und Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen große Verantwortung, diesen Prozess nicht zu blockieren. Werte müssten nicht nur neu definiert, sondern auch entsprechend gelebt und kommuniziert werden: „Die Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes stehen auf dem Spiel. Der Wertewandel und die weltweite Verschiebung von Marktanteilen wird uns überrollen (…) Veränderungsbereitschaft wird zum Wettbewerbsvorteil“.

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Alte Strategien, wie hohe Rendite oder das Erlangen von Marktanteilen, rücken in den Hintergrund. Weiche Faktoren werden wichtiger. Führungskultur heißt nicht mehr nur, den Umsatz zu steigern und marktorientiert zu agieren. Führungskultur bedeutet heute auch, sein Unternehmen an die veränderten Werte der Gegenwart anzupassen und es für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Dazu gehört, dass man einerseits den Ansprüchen des Markts gerecht wird und andererseits den neuen Erwartungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sowie junger Führungskräfte genügt. Und dann ist da noch der demographische Wandel, der uns Deutsche besonders betrifft. Die OECD sieht aufgrund unserer schmalen Personalressourcen 50% schwindende Weltmarktanteile deutscher Unternehmen bis 2050. Es gibt viel zu tun.

 

Autor: O. Marquardt

Bildquellen: Pixabay.com

O. Marquardt

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Er arbeitete als Texter in renommierten Werbeagenturen, bevor er sich als Marketing- und Kommunikationsberater für Großunternehmen selbstständig machte. Mittlerweile ist er gefragter Berater für Markenentwicklung im Mittelstand und Autor vieler Fachartikel. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für wertebasierte Markenentwicklung in Marburg. Zum Kundenkreis zählen klassische, mittelständische Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. Privat interessiert er sich für philosophische Fragen rund um Gesellschaft und Kommunikation, spielt Golf, produziert Musik und kocht gerne.

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