Digitalisierung Mittelstand: Sind wir für die Zukunft zu bequem?

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Mittelstand_und_WebDer Mittelstand nutzt die Chancen des digitalen Zeitalters nicht. So lautet das harte Fazit der Studien von „telegate“ und „Antrieb Mittelstand“ aus 2012 und 2013. Auch 2014 hat sich daran zu wenig geändert. Was bedeutet die weit verbreitete Unkenntnis über Themen wie Online-Reputation, digitale Markenwerte und der Aufbau von Kundenbeziehungen mit Hilfe des Internets?

Digitalisierung Mittelstand: Das Internet als neues Medium

Für viele Unternehmer ist das Internet reines Mittel zum Zweck der schriftlichen Kommunikation. Entsprechend findet man zwar Verständnis für die Notwendigkeit einer digitialen Infrastruktur zur Kommunikation und Datenverwaltung in Betrieben, aber damit hört es meist auch auf. Dabei würden einige gerne das Web auch als Vertriebskanal nutzen. Das Medium „Internet“ als Instrument des modernen Marketings genießt ein kümmerliches Dasein. Erstaunt schauen viele zu, wenn man Ihnen die Entwicklungen von großen Marken und ihrer digitalen Markenpräsenz zeigt. Noch überraschter sind diese Unternehmen, wenn sie sehen, welche Wirkungen die Nutzung des Internets als Marketingwerkzeug entfalten kann. Einige Marken haben innerhalb von wenigen Jahren eine finanzielle Kraft und Kundenstämme entwickelt, für die man früher Jahrzehnte brauchte.

Der moderne Aufbau von Kundenbeziehungen

Nein, der moderne Aufbau von Kundenbeziehungen IST längst digital. Man darf nicht vergessen, das Internet ist bereits 20 Jahre alt und wird seit über 10 Jahren kommerziell genutzt! Klar, damit ist es immer noch ein relativ neues Medium, aber seine Auswirkungen auf den Markt sind enorm. Und sie sind nachhaltig. Das stellt für mittelständische Betriebe immer häufiger ein Problem dar. Denn ihre Inhaber oder Geschäftsführer lehnen die Nutzung des Web als festen Bestandteil der eigenen Markenführung nicht selten strikt ab. Es ist ihnen unheimlich, sie finden sich darin nicht zurecht und vertrauen daher viel zu häufig auf altbewährte Methoden des Marketings. Ein schwerwiegender Fehler.

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Wie Mittelständler die Macht des Internets nutzen lernen

Daraus entwickelt sich nicht nur ein monetäres Effizienzproblem. Es bleicht auch die Präsenz der eigenen Marke aus. Die Folgen sind Imageverlust und stagnierende oder sinkende Umsätze. Da in so einem Moment entweder Sparmaßnahmen (noch weniger Präsenz) greifen oder das verstärkte Investieren in althergebrachter Werbemaßnahmen, beginnt ein zersetzender Kreislauf. Am Ende solch einer Entwicklung steht im schlimmsten Falle die Insolvenz. Es ist, als ob man sich festgefahren hat und anstatt die Methode zu überdenken, ständig weiter Gas gibt. So lange, bis der Motor überhitzt oder der Wagen sich nicht mehr von alleine befreien kann. Verwunderlich, dass einige Firmenlenker diesen Prozess vorziehen, anstatt sich und die eigene Philosophie zu hinterfragen. Zu einer guten und gewinnbringenden Führung gehört schließlich auch flexibel zu sein und Fehler zu korrigieren.

Dabei ließe sich das Vakuum an Wissen leicht füllen. Die Nutzung des Internets für die nachhaltige Etablierung im dynamischen, weltumspannenden Wettbewerb ist nämlich nicht nur notwendig, sie ist auch einfach. Seine digitale Präsenz aufzubauen beginnt mit einer guten Darstellung der Firma im Internet. Wer hier nicht zu finden ist wird als Anbieter kaum wahrgenommen. Es gehört also eine gute Auffindbarkeit der eigenen Seite dazu (-> suchmaschinenoptimiert / SEO). Weiterführend sollte die eigene Seite einen News- oder Blogbereich (so sieht ein Blog aus) haben, um regelmäßig redaktionelle Inhalte veröffentlichen zu können. Das bringt sie ebenfalls bei Suchmaschinen weiter nach oben. Glückwunsch, damit besitzen Sie die Grundvorraussetzungen für eine erfolgreiche Etablierung Ihrer Firma im Internet. Nun kommen wir zum Thema „wirkungsvolle Werbung im 21. Jahrhundert“ und den zugehörigen Themen „Social Web“, sowie später zu  „Content-Marketing“.

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Wie funktioniert die Steigerung der Markenkraft und Gewinnung neuer Anteile im 21. Jahrhundert?

Ein Unternehmen kann heute nur noch nachhaltig erfolgreich sein, wenn es bewährte Methoden und digitale Möglichkeiten kombiniert. Der moderne Kaufmann braucht also nicht nur gute Kontakte, sondern auch eine gute Darstellung seines Unternehmens für neue Kontakte. Das gelbe Branchenbuch ist passé. Heute vergleichen potentielle Geschäftspartner über das Internet. Nicht nur, um vor einem Termin mit Ihnen über das Unternehmen informiert zu sein, sondern auch danach, um mehr über Sie als Person zu erfahren. Persönliche Kontakte von Messebesuchen oder Veranstaltungen kombinieren sich also ebenfalls mit der digitalen Kontaktaufnahme. Alles findet seinen Weg ins Web. Nicht nur die Geschäftsbeziehungen von B2B. Auch Ihre Endkunden bummeln zunehmend im Internet. Ja, auch Ihre Zielgruppe vergleicht dort fleißig zwischen Angeboten und Produkten. Denn die Altersstruktur von Internetnutzern wird langsam homogen, wie wir bereits in diesem Artikel beschrieben haben.

Messen verlieren an Bedeutung? Nein! Doch!

Die Steigerung der Markenkraft ist mittlerweile ein Prozess, der vorrangig durch das Internet begleitet und gefördert wird. Das vereinfacht vieles für den Markenlenker, da er zentrale Steuerungsmechanismen hat und überaus umfassendes Monitoring betreiben kann. Zugleich birgt dieses Medium eine grandiose Fähigkeit zur Meinungsmultiplizierung. Der Teilnehmerzuwachs sozialer Netzwerke (#socialweb) gibt dem Kunden eine Macht, die er vorher nicht hatte. Meinungen über Ihr Unternehmen können sich hier schneller verbreiten, als jemals zuvor. Auch die Strategie eines modernen, mittelständischen Unternehmens zur Gewinnung neuer Marktanteile muss daher das Internet beinhalten. Sei es einerseits für den direkten Absatz von Waren, als auch für das Image und die Reputation von Marken oder Produkten. Das beliebte aber teure Instrument „Messe“ als „Schaufenster“ und Kontaktbörse verliert daher an Bedeutung. Zwar nicht akut aber vehement. Ihre Geschäftspartner überlegen sich heute 2x, ob sie ihr Geld wieder für einen Messeauftritt investieren, oder lieber die eigene Marke im Internet stärken.

Autor: O. Marquardt

 

O. Marquardt

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Er arbeitete als Texter in renommierten Werbeagenturen, bevor er sich als Marketing- und Kommunikationsberater für Großunternehmen selbstständig machte. Mittlerweile ist er gefragter Berater für Markenentwicklung im Mittelstand und Autor vieler Fachartikel. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für wertebasierte Markenentwicklung in Marburg. Zum Kundenkreis zählen klassische, mittelständische Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. Privat interessiert er sich für philosophische Fragen rund um Gesellschaft und Kommunikation, spielt Golf, produziert Musik und kocht gerne.

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